Diamantene Hochzeit in Maichingen
Maichingen. 60 Jahre sind Edeltraud und Horst Kunzmann verheiratet. Zur Feier des Tages kam die ganze Familie zusammen, eine seltene Gelegenheit bei fünf Kindern, sieben Enkeln und zwei Urenkeln. Eine Seereise im Mittelmeer steht ihnen noch bevor.„60 Jahre haben wir geleistet“, sagt der Jubilar ein bisschen froh und stolz. „Mit allen Höhen und Tiefen“, ergänzt seine Frau, wobei sie betonen, dass zirka 40 Jahre lang ein Streit am Tage spätestens am Abend beendet wurde. Die Höhen waren sicher die eigenen Kinder und die vielen Fußball-Jugendlichen sowohl in der SVB als auch im VfL, mit denen sie auch unterwegs im Ausland waren. Horst Kunzmann organisierte die Fahrten, manche finanziert durch Papiersammlungen, und Edeltraud Kunzmann wusch die Trikots, reparierte die Stutzen und tröstete die Verlierer.
Kennengelernt haben sich die beiden auf dem Fußballplatz in Maichingen „beim Spiel gegen Gültlingen“, weiß der damalige Torwart noch. Zum Heiraten brauchte der Mann, der im Wilhelminenstift geboren worden war, die Genehmigung seines Arbeitgebers. Seine gleichaltrige Frau, in Göttingen geboren, hatte sie nicht. „Daran haben wir gar nicht gedacht“, sagen sie verwundert. Sie wollten einfach zusammen sein, denn in beiden Elternhäusern war nicht viel Platz für Liebe. Seine Eltern arbeiteten in Gegenschicht und er ging zum Mittagessen ins „Lamm“. Edeltrauds Vater kam erst in den 1950er aus der Kriegsgefangenschaft und ihre Mutter schuftete ums Überleben.
Mit drei Jahren hatte Edeltraud Kunzmann Kinderlähmung, was damals kaum ein Arzt feststellen konnte. Während eines Fliegerangriffs wurde ihr eine künstliche Sehne eingebaut. Damit fingen wohl die gesundheitlichen Tiefen an, mit denen sie sich aber abwechselten. Nachdem Horst Kunzmann nicht Koch werden durfte - sein Vater hielt das für keinen richtigen Beruf - lernte er Maler und Lackierer. Und als dieser erlitt er in einer Firma, in der er ohne Atemschutz die Lackdämpfe eingeatmet hatte, eine schwere Nervenlähmung, die ihn 18 Monate ans Bett fesselte. „Ich war zu 90 Prozent schwerbehindert und hab mich selber wieder fit gemacht“, sagt er und man sieht es ihm an. Nun pflegt er seine Frau, der Pflegestufe III attestiert wurde und die vornehmlich nachts üble Schmerzen bekommt. Dann saust er und holt Pillen, Salbe und einen nassen Waschlappen und kühlt ihr das Knie. Zum Bewegen am Tage haben sie einen Rollator angeschafft, auf dem sie notfalls sitzen kann.
Aber lieber denken sie an die Reisen mit den Kindern: 16-mal in die Türkei wegen seiner Schuppenflechte, wo sie beinahe eine Ferienwohnung gekauft hätten, nach Kroatien und in den Bungalow in Italien, wo sie frischen Fisch kaufen konnten und zweimal waren sie auch in Ägypten. Jetzt helfen sie sich gegenseitig beim Kochen und Backen und leben mit den Ereignissen der Enkel, die sich auch alle dem Sport verschrieben haben. Die Familie ihrer Tochter Sandra ist in der Nähe und schaut nach ihnen. Sie richtet sogar den 80. Geburtstag des Jubilars am Freitag aus, der dann im Garten stattfinden kann.

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