Menü
Reise

Pisten-Hauben in St. Anton: Ski und Genuss am Arlberg

Mehr als 20 Hauben hat der Gourmetführer Gault & Millau in St. Anton verliehen. Sie machen den traditonsreichen Skiort am Arlberg auch zum Ziel für Feinschmecker. Skifahren und genießen lassen sich dort auch aufs Angenehmste verbinden.
Von Tim Schweiker

Wer den Geheimnissen von St. Anton auf die Spur kommen will, der sollte ins Museum gehen. Am besten dann, wenn Tourismusdirektor Martin Ebster persönlich durch die Räume führt und vor Anekdoten schier überzusprudeln scheint.

Untergebracht in der Villa Trier unweit der Talstation der Galzig-Bahn ist das Museum St. Anton eine wahre Fundgrube an Geschichte und Geschichten. Gebaut wurde die Villa 1911 vom Darmstädter Möbelfabrikanten Carl Wilhelm von Trier. St. Anton boomte schon damals: Der 1884 eröffnete Bahntunnel brachte internationale Gäste ins obere Stanzerstal und Carl Wilhelm von Trier machte seine Villa in St. Anton zu seinem Refugium mit ganz eigener Note: Jedes Zimmer hat eine eigens gestaltete Decke, kein Türstock gleicht dem anderen. Umso tragischer, dass von Trier seine Villa nicht lange genießen konnte, er fiel im Ersten Weltkrieg.

Arlberger Ski-Pionier

Skipionier Hannes Schneider in seiner Werkstatt.

Bild: TVB St. Anton am Arlberg

Trier gilt heute als großer Förderer des Arlberger Skipioniers Hannes Schneider. In den historischen Räumen des heutigen Museums wurde Schneider dazu animiert, seine Skitechnik in aller Welt zu verbreiten. Mit der Gründung der ersten Skischule setzt Hannes Schneider im Winter 1921/1922 einen Meilenstein der Ski-Geschichte. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keinen Skiort, in dem die Urlauber entsprechend ihrem Können in Gruppen eingeteilt und nach festgelegten Richtlinien unterrichtet wurden.

Ein Glück, dass 1972 Gemeinde und Tourismusverband die Villa Trier kauften, behutsam renovierten und damit die Grundlage für einen Ort schufen, der eine ganz eigene Atmosphäre ausstrahlt: Denn in der Villa ist heute nicht nur das sehenswerte Museum, sondern auch ein exzellentes Restaurant untergebracht. Wo kann man schon stilvoll und doch ganz entspannt in Zimmern speisen, die vor 100 Jahren gebaut wurden? „Man kann es sich heute kaum mehr vorstellen, aber wir haben als Kinder in der leer stehenden Villa noch Verstecken gespielt. Das war ein echtes Abenteuer“, erzählt Martin Ebster.

Restaurant Museum St. Anton

Die Küche steht der besonderen Aura des Hauses in nichts nach. Ob butterzarter Lammrücken mit Kräuterkruste oder die auf den Punkt gebratene Forelle: Hier kommt Regionales in bestechender Qualität auf den Tisch. Dass zum Essen auch der passende Tropfen serviert wird, darum kümmert sich mit Patrick Reiser ein gebürtiger Sindelfinger. Den heutigen Restaurantchef zog es einst der Liebe wegen nach Tirol, bereut hat er es nicht: „Es gibt kaum einen besseren Ort zu leben.“ https://www.museum-restaurant.at/

Was auch daran liegen mag, dass einheimische Macher wie Martin Ebster oder sein Kollege Yannick Rumler weit mehr sind als Verkäufer der Marke St. Anton. „St. Anton und der Arlberg, das ist unsere Heimat. Wir wollen, dass man sich der Geschichte bewusst wird und gleichzeitig an die Zukunft denkt“, sagt Yannick Rumler, der bei der von Martin Ebster moderierten Ski-Show, die während der Wintersaison jeden Mittwoch hunderte Besucher ins Karl-Schranz-Zielstadion lockt, mit 100 Jahre alten Holzlatten erstaunlich sicher über die eisige Flutlicht-Piste fährt.

Ob Museum oder Ski-Show: St. Anton atmet Geschichte und ist gleichzeitig alles andere als altbacken. Ein Beispiel dafür ist die 1386 von Heinrich Findelkind gegründete Bruderschaft St. Christoph, die mit ihrer Herberge, dem berühmten Hospiz, in Not geratenen Reisenden helfen wollte. „Das war so etwas wie die erste Bergrettung Österreichs“, sagt Martin Ebster. Aus dem Hospiz wurde das später weltberühmte Hotel Hospiz. Die Gegenwart ist in diesem Fall leider nicht so erfreulich: Aktuell steht das Haus leer. Die Bruderschaft freilich existiert immer noch und unterstützt Notleidende in der Region.

Unweit des Hospiz-Hotels liegt direkt an der Piste die Hospiz Alm. Die ist einerseits eine beliebte Ski-Hütte, beherbergt aber auch ein mit drei Hauben geschmücktes Restaurant. Zur Pilgerstätte für Wein-Fans wird sie aber wegen der einmaligen Großflaschensammlung. Seniorchef Adi Werner hat im einstigen Luftschutzbunker ein Phänomen begründet. Dort lagern aktuell rund 7 000 Großflaschen von Magnum (1,5 Liter) bis Primat (27 Liter) aus den renommiertesten Weingütern der Welt. Und wenn oben im Restaurant wieder einmal eine Polonaise durch den Saal zieht und der Service mit Hingabe einer der Großflaschen entkorkt, dann ist klar: Diese Art Museum ist höchst profitabel.

Arlengeist in der Sennhütte

Wer es nicht ganz so pompös mag, der ist in der Sennhütte genau richtig. Hier können Skifahrer oder Wadnerer nicht nur hervorragend essen, sondern auch Selbstgebrannt genießebn. Eine Beonderheit ist der Arlengeist aus den Zapfen jener lokalen Art der Latschenkiefer die dem Arlberg seinen Namen geben.

Nich mehr Genuss-Tipps

Höhepunkt für verliebte Feinschmecker: Jeden Donnerstagabend wird die Galzigbahn zum Zubringer für ein exklusives Candlelight Dinner auf 2 085 Metern. Schon die nächtliche Auffahrt zur Verwallstube ist ein Erlebnis für sich. Oben erwartet die Gäste dann ein mit Pianoklängen untermaltes Menü von Stefan und Manfred Fahrner und ihrem hauben-prämierten Team. https://www.verwallstube.at/

Im mit zwei Hauben ausgezeichneten Ullr Restaurant unweit der Galzig-Bahn wird das Zusammensein zelebriert: Das modern designte und doch urgemütliche Hotel und Restaurant - benannt nach dem nordischen Wintergott - ist einer der neueren kulinarischen Treffpunkte in St. Anton. Michael Gfall und sein Team zaubern im „Ullr Dining“ seit 2021 Pfiffiges und Unkonventionelles aus hochwertigen zumeist regionalen Zutaten. https://www.ullrhaus.at/

Das Skigebiet

Mit 85 Bergbahnen und Skiliften, mehr als 300 Kilometer markierten Abfahrten und 200 Kilometer Varianten im freien Gelände zählt St. Anton am Arlberg zu den renommiertesten Wintersportorten weltweit. www.stantonamarlberg.com

Skirunde Run of Fame: Arlberger Legenden

St. Anton am Arlberg ist gemeinsam mit St. Christoph, Stuben, Lech, Zürs, Warth und Schröcken das größte zusammenhängende Skigebiet Österreichs und gleichzeitig das fünftgrößte der Welt. Die Skirunde „Run of Fame“ macht die ganze Dimension der Ski-Arlberg-Region spürbar. Ganz gleich, wo man in die Tour einsteigt – Infotafeln und Markierungen zu Ehren heimischer Abfahrtslegenden weisen den Weg über die 85 Kilometer lange Strecke mit 18.000 Höhenmetern. Die Bergstation der Flexenbahn zwischen Stuben/Rauz und Zürs beherbergt zudem eine „Hall of Fame“, in der Besucher historische Momente und Arlberger Skistars bei einer kostenlosen Ausstellung erleben. https://www.skiarlberg.at/de/winter/run-of-fame  

Klimafreundliche Anreise

Seit 2021 ist St. Anton am Arlberg offizielle Klimawandel-Anpassungsmodellregion und beheimatet mit einer Seehöhe von 1.303 Metern den weltweit höchstgelegenen ICE-Bahnhof. Von Stuttgart aus ist er ohne Umsteigen direkt zu erreichen. Von und zu allen Ortsteilen und den Gemeinden im Stanzertal pendeln regelmäßig Busse. Wer in St. Anton am Arlberg wohnt, erreicht aufgrund geringer Entfernungen alles zu Fuß.

Kinder-Skipass

Trotz seines sportlichen Charakters ist das Skigebiet mit 128 blauen Pistenkilometern sowie vielen ausgewiesenen Übungshängen auf kleine Gäste eingestellt. Bis zum 8. Lebensjahr (ab Jahrgang 2018) kostet der Saisonpass „Schneemannkarte“ 11 Euro.

Langlaufen

St. Anton am Arlberg verfügt über ein mehr als 40 Kilometer langes Loipennetz – dank Schneesicherheit, Vielfalt und Top-Beschilderung ausgezeichnet mit dem Loipengütesiegel des Landes Tirol. Die meisten Loipen verfügen auch über eine Skating-Variante.

Winterwandern

Knirschender Schnee und Höhentraining inklusive: In und um St. Anton am Arlberg können Winterwanderer rund 80 Kilometer Strecke auf 31 Winterwanderwegen erlaufen. Wer Lust auf eine Schneeschuhwanderung hat, sollte einen Guide bei den Skischulen buchen.

Tanzcafé Arlberg und Weisser Rausch

Die 12. Auflage des Tanzcafé Arlberg Music Festival lotst pünktlich zum Frühjahrsskilauf zahlreiche internationale Acts nach St. Anton am Arlberg und St. Christoph in Tirol sowie Stuben, Lech und Zürs in Vorarlberg. Für Urlauber bedeutet das ab dem Osterwochenende 4./5. April den Genuss von spannend besetzten Bühnen und Tanzflächen, nur wenige Schwünge entfernt von den Skipisten.

Am 18. April lässt dann der legendäre Abfahrtslauf Der Weisse Rausch die letzten Muskeln des Winters glühen, wenn 555 Athleten aus aller Welt nach Massenstart am Vallugagrat gleichzeitig auf 7,5 Kilometern unpräparierter Piste ins Tal stürzen. Dabei mischen sich große Ambitionen und olympische Gedanken: Einige haben den Sieg im Visier, andere genießen den Trubel in gemächlicherem Tempo. www.stantonamarlberg.com