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Winter adé

Magstadt: Meterhohe Flammen vertreiben den Winter

Zahlreiche Besucher trotzen dem nassen Wetter und ziehen am Samstagabend zum Funkenfeuer der Magstadter Feuerwehr.
Der Holzstapel brennt erstmals nicht komplett ab.
Von Annette Nüßle

Magstadt. Regen und nasse Wiesen: nicht die idealen Bedingungen für das traditionelle Funkenfeuer, das immer am ersten Samstag nach Aschermittwoch entzündet wird. Die Flammen kämpften mit den nassen Stämmen, und erstmals in der Geschichte des Funkenfeuers ist der Holzstapel nicht ganz abgebrannt. „Wir bauen heute den Holzstapel zurück und entscheiden Anfang der Woche, was mit dem Holz passiert“, sagt Feuerwehrkommandant Marco Gund am Sonntagmorgen und zeigt sich trotz der etwas geringeren Besucherzahlen alles in allem zufrieden mit dem Besuch.

Umplanen war am Freitagnachmittag angesagt, denn beim Aufstellen des Funkenfeuers wurde klar: Ein Festbetrieb in unmittelbarer Nähe, wie sonst üblich, ist nicht möglich. Auf dem nassen, rutschigen Boden wäre es für die Besucher viel zu gefährlich gewesen. Schnell wurde das Feuerwehrgerätehaus leergeräumt und das Fest nach dem Anzünden ins Trockene verlegt.

Doch vor dem Feiern stand erst einmal das Anzünden des Holzstapels an. Dazu hatte die Magstadter Feuerwehr am Freitag aus 44 dicken Baumstämmen den Stapel errichtet. Rund sechs Meter hoch war der Stapel in diesem Jahr. „Wir hatten dieses Jahr erstmals von unserer Revierförsterin Anna Lena Grieb die Stämme erhalten“, sagte Pressesprecher Patrick Mohr und dankte ihr, dass sie die Tradition von ihrem Vorgänger, Revierförster Jochen Müller, übernommen hat.

Feuerwehrfrauen hatten die Strohhexe gebastelt. Sie saß, wie all ihre Vorgängerinnen, festgebunden am mittleren, rund 15 Meter hohen Stamm. Bedenken, dass der Funken nicht brennen würde, hatte Pressesprecher Patrick Mohr keine. „Die gesammelten Christbäume für das Innere wurden trocken gelagert, die brennen auf alle Fälle.“ Dass das feuchte Wetter es dem Feuer trotzdem etwas schwermachen würde, war am Samstagabend deutlich erkennbar.

Kampf mit der Feuchtigkeit

Die Flammen kämpfen mit der Feuchtigkeit, und zunächst ist mehr Rauch als Funken zu sehen. Ein Besucher meint scherzhaft: „Die Hexe stirbt eher an einer Rauchvergiftung als am Feuer.“ Und so war es auch: Sie hielt lange den Flammen und Funken stand, doch irgendwann fingen ihr roter Rock und die lilafarbenen Haare Feuer, und sie wurde ein Raub der Flammen. Weit ist der qualmende und brennende Turm zu sehen, der nach historischer Überlieferung den Winter vertreiben soll. Es knistert und sprüht, während zuerst die Tannenbäume im Inneren verbrennen und erst dann nach und nach auch die zehn Meter langen Holzstämme Feuer fangen.

Angeführt wurde der Fackelzug zum Funken in diesem Jahr von den Guggenmusikern von Grün-Weiß Böblingen sowie von den Feuerwehrkameraden Lukas Reuff, David Hering, Benjamin Pietz, Nils Steegmüller und Maurice Nehrkorn in historischen Feuerwehruniformen. Sie waren es auch, die nach dem traditionellen Sprung zum Vertreiben des Winters den Funken anzündeten.