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Beide sind vom Laufvirus infiziert

Ein Gärtringer und seine Freundin treten gemeinsam beim Dolomitenmann an

Das Paar hat sich beim Medizin-Studium in Innsbruck kennengelernt.

Hannah Loidl und Jonathan Klambach beim gemeinsamen Lauf in den Bergen. Die Beiden starten am 7. September gemeinsam beim Dolomitenmann.

Hannah Loidl und Jonathan Klambach beim gemeinsamen Lauf in den Bergen. Die Beiden starten am 7. September gemeinsam beim Dolomitenmann.

Bild: Holzapfel

Ausdauersport. Die Superlative überschlagen sich zuweilen, wenn in den Medien der Dolomitenmann thematisiert wird. Vom „härtesten Teamsportereignis unter der Sonne“ ist die Rede, von der anstehenden „Geburt von Legenden“ und von der generellen Erfüllung eines Traums hin zum Mythos. Vermutlich ist an allem ein bisschen was dran, wenn sich am 7. September wieder knapp 100 Teams aufmachen, um sich bei der inoffiziellen Weltmeisterschaft des Extremsports beim Berglauf, mit dem Paragleiter, dem Mountainbike und zum Schluss in den Fluten der Isel mit dem Kajak zu messen. Bereits zum vierten Mal startet das Gärtringer Team Seitenstecher zum Ausnahme-Event in den Lienzer Dolomiten. Der 22-jährige Gärtringer Jonathan Kalmbach gehört dabei bereits zu den Etablierten, seine Freundin Hannah Loidl feiert Premiere.

„Als Teamgemeinschaft sind wir inzwischen schon recht bekannt“, sagt Manager Martin Kalmbach, der es sich im Vorfeld wieder zur Aufgabe gemacht hat, die Mannschaften personell zu bestücken, die Helfer im Hintergrund zu organisieren und den Kontakt zu den Sponsoren aufrechtzuerhalten. Inzwischen hat sich der Seitenstecher-Kader, der sich vor drei Jahren beim Dolomitenmann-Debüt noch recht übersichtlich gestaltete, zu einem internationalen Who-is-Who der Extremsportszene entwickelt. Im Viererteam der „Seitenstecher-Legenden“ absolviert Sohnemann Jonathan Kalmbach, der wie Martin Kalmbach Bundesliga-Paragleiter des Baiersbronner Drachen- und Gleitschirmflugvereins ist, die zweite Disziplin, bekommt von seiner Freundin Hannah Loidl quasi den Staffelstab nach dem Berglauf überreicht.

„Letztes Jahr war ich konditionell zwar sehr gut vorbereitet, aber mir sind beim Gleitschirmfliegen ein paar dumme technische Fehler passiert“, sagt Jonathan Kalmbach, der genauso wie Hannah Loidl in Innsbruck Medizin studiert. „Mein selbst entwickeltes Schnellauslösesystem beim Start hat nicht richtig funktioniert und bei der Übergabe zum Mountainbiker haben sich meine Gleitschirmleinen in den Zahnkranz des Bikes gewickelt. Das kostete unserem Team vier Minuten.“ Derartige Fehler sollen diesmal vermieden werden, zudem gilt das Augenmerk der eigenen Verfassung. „Anfang dieses Jahres habe ich mir auf einer Skitour das Sprunggelenk gebrochen, das war eine langwierige Geschichte“, erzählt der junge Extremsportler, der 2022 in Vorbereitung auf den Dolomitenmann mit Kumpel Jonas Machmer den Kilimandscharo bestieg und erst vor wenigen Tagen mit dem Gleitschirm seinen weitesten Flug mit über 140 Kilometern in über sieben Stunden absolvierte.

Ganz verletzungsfrei kam letztes Jahr auch Hannah Loidl nicht über die Runden. Bei einem Sturz vom Rad zog sich die 23-Jährige, die aus Absam in Tirol stammt, einen Halswirbelbruch samt Gehirnerschütterung zu. „Ich kann mich an den Hergang des Ganzen nicht erinnern“, sagt sie, „ich weiß nur, dass ich Glück im Unglück hatte.“ Nach zahlreichen Erfolgen als Leistungsschwimmerin im Trikot der Schwimmunion Hall hat sich die Allroundsportlerin mittlerweile mit dem Laufvirus infiziert, weshalb sie guten Mutes – aber dennoch mit einer gehörigen Portion Respekt – den Lauf mit den zu bewältigenden 1 760 Höhenmetern in den hochalpinen Lienzer Dolomiten angehen wird. Immerhin tritt Loidl beim Dolomitenmann mit der Referenz eines starken dritten Platzes beim Paznaun Ischgl Ultra Trail an, über eine 31 Kilometer lange Strecke galt es dabei 2 500 Höhenmeter zu bewältigen.

„Ich finde es zunächst einmal gut, dass im letzten Jahr auch Frauen zur Veranstaltung zugelassen wurden“, meint Hannah Loidl. Endlich, sagen viele, die dies in der 35-jährigen Geschichte des Events schon seit Längerem forderten. Doch aller Anfang ist schwer. „Auf Grund der bornierten Organisatoren wurden die Frauen nicht in separater Wertung berücksichtigt, auch die inoffizielle Siegerehrung glich eher einer Farce“, erinnert sich Martin Kalmbach. Hannah Loidl versucht hier ihren Beitrag zu leisten. „Ich hoffe, mit meiner Teilnahme auch andere Frauen motivieren zu können. Es wäre prima, wenn die Frauenquote von Jahr zu Jahr steigen würde“, betont die Österreicherin.

Der Sport dürfte bei Jonathan Kalmbach und Hannah Loidl – abseits des Lernens an der Medizinischen Universität in Innsbruck – auch in Zukunft im Mittelpunkt stehen. „Die Begeisterung für das Skitourengehen hat mir Hannah übermittelt, während sie jetzt durch mich den Spaß an hochalpinen Wandertouren gefunden hat“, sagt der Gärtringer. Das Mixed-Team der beiden wird ergänzt durch den Unterensinger Mountainbiker Luis Baumeister sowie Florian Horelt vom Kanuclub Allgäu. Nicht aktiv ins Geschehen eingreifen kann der Gärtringer Jonas Machmer, dem auf Grund einer Verletzung (Entzündungen im Knie und im Sprunggelenk) erstmalig die Rolle als Teamcoach zuteilwird. „Auf Grund meines Sportstudiums und meiner eigenen Erfahrungen kann ich sicherlich wertvolle Tipps geben. Ich freue mich, den Wettbewerb mal aus einer anderen Perspektive zu erleben“, sagt Machmer.

Informationen zum Event gibt es im Internet unter www.redbulldolomitenmann.com, Aktuelles vom Seitenstecher-Team gibt es bei Instagram unter @teamseitenstecher.