

Renningen. Es war ein Tag voller Bangen. Am Ende stehen blankes Entsetzen und die traurige Gewissheit: Die Hoffnung, nach einer fieberhaften Suche das seit der Nacht auf Freitag vermisste Baby in Renningen lebend zu finden, war vergeblich.
Am Freitag um 15.35 Uhr teilt das Polizeipräsidium Ludwigsburg mit: „Im Rahmen der Fahndung nach dem vermissten Säugling wurde gegen 13.45 Uhr die Leiche eines Babys von der Polizei gefunden. Dabei könnte es sich um den vermissten Jungen handeln. Die polizeilichen Maßnahmen zur Identifizierung dauern an. Nähere Umstände zur Auffindesituation oder zum Tod des Säuglings sind Gegenstand der Ermittlungen der Kriminalpolizei des Polizeipräsidiums Ludwigsburg und können aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit nicht veröffentlicht werden.“ Stand Freitagabend ist also weder offiziell bestätigt, dass es sich bei der Babyleiche um den vermissten Jungen handelt noch, ob aus der Vermisstensuche ein Kriminalfall geworden ist.
In der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag um 23.30 Uhr hatte die Polizei die Nachricht bekommen, dass der drei Monate alte Jungen vermisst wird. Kurz vorher war offenbar das Fehlen des Säuglings im Kinderwagen bemerkt worden. Mit drei Monaten kann ein Kind nicht selbstständig aus dem Kinderwagen kommen und sollte es herausfallen, kommt es nicht weit. Wo der Kinderwagen der Renninger Familie zu diesem Zeitpunkt stand, teilte die Polizei nicht mit. Von da an lief eine große Suchaktion.
183 Rettungskräfte vom DRK, den Maltesern und der Feuerwehr waren im Einsatz. Die Polizei spricht von 50 eigenen Einsatzkräften. An der Suche waren Suchhunde, Drohnen und der Polizeihubschrauber beteiligt. Bis heute bleibt unklar, wie der kleine Junge überhaupt verschwinden konnte. Die Polizei hält sich aus ermittlungstaktischen Gründen mit vielen Informationen bedeckt.
Die Polizei hatte ihr Quartier am Reiterstüble an der Gottfried-Bauer-Straße im Vereinsgelände der Stadt aufgeschlagen. Erster Polizeihauptkommissar Steffen Grabenstein gab den zahlreichen Presselvertretern, die sich schon vor dem Mittag eingefunden haben, nur spärlich Auskunft.
Die Rettungskräfte des Deutschen Roten Kreuzes sammelten sich unter Führung von DRK-Einsatzleiter Sascha Gessel auf einem Teil des Rewe-Parkplatzes nahe dem Kreisverkehr bei der Tankstelle an der Bundesstraße 295 .Beteiligt waren die DRK-Ortsgruppen aus Maichingen, Weissach, Weil der Stadt, Renningen und Grafenau.
Am späten Donnerstagabend lagen die Temperaturen noch bei 25 Grad, auch am Freitag stiegen die Temperaturen wieder auf Werte über 30 Grad. Bei diesen Temperaturen ist die Sucharbeit schon alleine körperlich eine Herausforderung.
Was also ist wirklich passiert in dieser Nacht? „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagt eHauptkommissar Grabenstein. Vermisst? Entführt? Grabenstein zuckte mit den Schultern. Wie lange das Kind unbeaufsichtigt war? Keine Antwort von der Polizei. Der Beamte bat um Verständnis. Man sei erst am Ermitteln. Der Einsatz einer Wärmekamera schied bei den hohen Temperaturen aus, berichtet Steffen Grabenstein.
„Die Betroffenheit ist groß“, sagte Renningens Bürgermeisterin Melanie Hettmer gegen Mittag. „Jeder, der selbst ein Kind hat, weiß was das bedeutet.“



