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Leser-Wünsche zur Innenstadt

Zu leer, zu langweilig: Sindelfinger wollen mehr Leben in der Bude

Das Fazit der SZ/BZ-Vor-Ort-Aktion zur Innenstadt im Rahmen des Aktions-Wochenendes „Sindelfingen blüht auf“.
Jürgen Wegner (links) bekommt einiges in den Block diktiert.         Bild: Nüßle

Jürgen Wegner (links) bekommt einiges in den Block diktiert. Bild: Nüßle

Sindelfingen. Mehr Leben in der Bude. Das ist auf den Punkt gebracht das, was sich Sindelfinger für ihr Städtle wünschen. Am Samstagmorgen verteilte die SZ/BZ Tulpen auf dem Sindelfinger Marktplatz und nahm Wünsche, Kritik und Anregungen der Menschen für ihre Innenstadt entgegen.

Das Klohäusle

Glaubt man dem Meinungsquerschnitt, dann sieht es nicht wirklich gut aus in und rund um den Marktplatz. Es darf offensichtlich nicht nur ein bisschen mehr sein. „Das Klohäusle geht gar nicht. Das gehört gerichtet, es stinkt nur, ist nicht hygienisch“, sagt Renate Rüppel. Grundsätzlich liegt für sie einiges im Argen. Dass es jetzt ein neues Café gibt, reiche nicht. „Es wäre schön, wenn es noch ein weiteres, helleres gibt. Mit Kaffee und Kuchen und schöner Außengastronomie. Und für Kinder eine Möglichkeit zum Spielen, und wenn es nur ein paar Schaukelpferde sind.

Mehr Grün, mehr Schatten

Dabei müsse man sich aber bitte genau überlegen, was es denn sein soll. So sind Ingrid und Melanie Obloj überhaupt nicht von der Idee angetan, dass ein mobiles Wasserspiel eine neue Attraktion werden soll. „Das sieht man doch beim Kneipp-Becken in Sommerhofen. Da spielen dann die Kinder im Unterhösle und pinkeln rein.“ Außerdem sehen die beiden darin nur Wasserverschwendung, was überhaupt nicht zum Thema Nachhaltigkeit passt.

„Und grundsätzlich gehört hier mehr Grün her. Es gibt keinen natürlichen Schatten, was das Stadtklima belastet und der Umwelt schadet“, sagen Ingrid und Melanie Obloj. Damit íst der Rundumschlag der beiden noch nicht vorbei. Bis auf ein paar Veranstaltungen sei einfach zu wenig los. Und dass es Pläne „für einen supermodernen Turm“ auf dem Post-Voba-Areal gibt, passe ins Bild, dass es kein Konzept gibt.

Bankautomat defekt

Während sich die Innenstadt im Rahmen des Aktions-Wochenendes „Sindelfingen blüht auf“ von der aktiven Seite zeigt, herrsche doch vielerorts Stillstand, sagen einige, die das Gespräch mit der Redaktion suchen. Die Baustelle oben in der Ziegelstraße sei ein Musterbeispiel. ein ganz spezielles Beispiel, das mit der Stadt nichts zu tun hat, nennt Christoph Tigges. Wieder einmal ist der Automat der Postbank außer Betrieb. Und wer kein Geld abheben kann, kann es halt auch nicht in der Innenstadt ausgegeben.

„100 000 Sachen“

Fast schon in rage redete sich dann noch eine Frau, die anonym bleiben möchte. „Ich könnte 100 000 Sachen sagen“, sagt sie, kritisiert eine vermüllte Stadt, in der der Hausmüll neben Kleidercontainern liegt und hier niemand kontrolliert. Sie ärgert sich über die Krähen in den Bäumen und dass die Stadt dies nicht in den Griff bekomme. So richtig positiv sei nur der Markt und ein paar wenige Händler wie Kevin Kugel, „alles andere können sie vergessen“. Schämen müsse man sich, dass es die Holanka-Bar nicht mehr gibt. Holzgerlingen oder Altdorf machen es vor, wie lebendige Zentren gehen, „aber hier ist nichts geboten“.

Toller Scherz

Die Kritik ist breit und nicht zu überhören, die Zwischentöne kann man an diesem Vormittag wohl nur erahnen. Dabei sind doch auch einige Besucher am Stand der SZ/BZ, die ihren Blumengruß lächelnd und gerne entgegen nehmen und nichts zu schimpfen haben. Nicht gebruddelt ist halt manchmal auch genug gelobt. Ein Lob davon geht dann noch direkt an die SZ/BZ: „Ich hatte so viel Freude am Aprilscherz mit den neuen Sindelfingern.“ Diesen hatte eine Sindelfingerin am Samstagmorgen gelesen und bei der Lektüre ziemlich lange gebraucht, bis sie es doch noch auf den Wochenmarkt schaffte: „Da stand heute aber wirklich wieder sehr viel drin.“