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Die Retter rühren die Werbetrommel

Maichinger Feuerwehr ist heiß auf neue Kräfte

Die Maichinger Einsatzabteilung öffnet am Samstag ihr Haus, um Begeisterung zu entfachen.

Maichingen . 58 aktive Feuerwehrleute stehen auf dem Papier. Das sieht nicht schlecht aus und kratzt an den Rekordzahlen, die es vor der Pandemie gab. Und dass die Maichinger Wehr eine sichere Bank ist, mindestens ein Staffelfahrzeug immer voll besetzt, ist alles andere als selbstverständlich. Nachts und am Wochenende bekommt sie sogar die ganze Halle leer. Das bedeutet: Im Ernstfall rückt dann ein kompletter Löschzug mit vier Fahrzeugen aus. Und zwar richtig schnell.

Es gibt also eine Menge Leute bei der Maichinger Abteilung, die wissen, was sie an „der sinnvollsten Art der Freizeitbeschäftigung“, haben, wie es Kommandant Sascha Luft sagt, der außerdem stellvertretender Kommandant der Sindelfinger Gesamtwehr ist. Und doch ist der Schein trügerisch. Die Feuerwehr braucht dringend frische Kräfte, stellt sich dafür auf die Hinterbeine, verteilt Flyer und öffnet am kommenden Samstag ihr Feuerwehrhaus.

Mit 65 ist Schluss

Es ist dringend notwendig. Zum einen liegt das daran, dass eine Reihe derer, die in den 70er- oder 80er Jahren eingetreten sind, kurz vor der Altersgrenze stehen. Mit 65 ist Schluss mit den Einsätzen, da kennt das Feuerwehrgesetz keine Ausnahmen. Auf der anderen Seite wächst der Sindelfinger Teilort und kratzt wohl irgendwann an der 14 000-Einwohner-Marke. Sascha Luft: „Das ist eine Hausnummer, da brauchst du eine sehr schlagkräftige Wehr.“ Der dritte Punkt: Realitäten verschieben sich. Verfügbarkeit und Prioritäten werden neu geordnet.

Sascha Luft nennt ein Beispiel: „Als ich 1991 eingetreten bin, hat eigentlich jeder in einem Umkreis von zehn Kilometern gearbeitet. Heute ist das anders, was sicher auch im Wandel unsere starken Automobillandschaft liegt. Die Menschen verdienen ihr Geld in Rastatt, Esslingen, Ludwigsbug und Untertürkheim.“ Dazu wächst mit dem allgemein steigendem Anteil der Gymnasiasten auch die Zahl der jungen Leute, die in Tübingen studieren und deshalb nicht zuhause schlafen. „Und dann gibt es noch den allgemeinen gesellschaftlichen Wandel. Die Feuerwehr stand früher in der Freizeit ganz oben, mittlerweile rückt sie in der Prioritätenliste immer öfter ins dritte oder vierte Glied“, sagt Sascha Luft.

Verlässlichkeit ist das große Wort, das man aber auch von einer anderen Seite betrachten kann. Denn während die Feuerwehr verlässliche Mitglieder braucht, bietet sie eben genau das. Sascha Luft nennt ein Netzwerk an Kameraden aus unterschiedlichsten Berufen vom Schlosser bis zum Doktor des Ingenieurwesens und aus allen Altersschichten. Eine Kameradschaftspflege, die weit über die Weinprobe hinausgeht – Segeln, Canyoning und Co. gehören längst dazu. Ein Aufgabengebiet von der technischen Hilfeleistung bis zur Brandbekämpfung, das den Feuerwehrler zum Chemiker und Drohnen-Piloten, zum Autoaufschneider und Truck-Fahrer macht.

Starke Gemeinschaft

Einsätze werden im Team verarbeitet, und dass die Mannschaft auch feiern kann, zeigte sie erst an diesem Wochenende bei der After-Summer-Party. Das alles sind für Sascha Luft gute Gründe, am Samstag einfach einmal ab 13 Uhr im Feuerwehrhaus in der Kirchturmstraße 5 vorbei zu schauen. Die Werbetrommel dafür rühren die Maichinger schon länger. Nicht umsonst gab es die Hauptübung auf den Allmendäckern, die als Zuzugsgebiet nicht nur für den wachsenden Ort stehen, sondern mit den neuen Bürgern auch das entsprechende Potenzial bieten.

„Genial wäre es, wenn wir sieben bis acht Leute um die 18 Jahre bekämen und eine neue Gruppe aufmachen könnten“, sagt Sascha Luft. Auch ältere Quereinsteiger sind gerne gesehen. So oder so, diese sollen unbedingt bei der Stange bleiben und nicht beim ersten Seitenwind abspringen. Die Feuerwehr braucht Verlässlichkeit, und die Ausbildung dauert. Sascha Luft setzt dafür grob zwei Jahre an. Wenn der Funke dann noch glimmt, ist alles paletti.

Der Samstag

Am Samstag, 24. September öffnet das Feuerwehrhaus in der Kirchturmstraße 5 um 13 Uhr. Hier gibt es die Möglichkeit, die Aufgaben, die Technik und die Feuerwehrleute samt deren Faszination für ihr Hobby kennenzulernen. Mehr Infos und Anmeldung unter www.hilfhelfen.eu im Internet.