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Meine Meinung

Der Kreis braucht leider die Frühjahrsputzete

Einer muss ja aufräumen. Deshalb startet der Abfallwirtschaftsbetrieb eine starke Aktion – die es besser gar nicht brauchen sollte.

Müll, Goldbach

Stillleben am Goldbach: im Vordergrund ein abgerissenes Plakat, links eine Tüte, rechts auch irgendwas.

Bild: Wegner

Kreis Böblingen. Ärmel hoch, Zange raus, ran an die Mülltüten. Mit einer kreisweiten Aktion startet der Landkreis den Frühjahrsputz, was an sich eine tolle Idee ist. Doch erstmal zur Kehrseite der Medaille, und die glänzt überhaupt nicht.

Täuscht der subjektive Eindruck, oder sind heute mehr Dreckspatzen unterwegs als früher? Vielleicht, jedenfalls ist es eine Katastrophe, was in Wald und Flur herumliegt und eigentlich in den Mülleimer gehört. Und nein, es liegt nicht an der mangelnden Hand-Augen-Koordination, wenn Schokoriegel-Folie und Taschentücher am Goldbach landen oder ein paar Meter weiter Richtung Kaufland direkt ein Einkaufswagen drin liegt. Es hat auch nichts mit gelähmter Gesichtsmuskulatur zu tun, wenn an der Breuni-Bushaltestelle der Boden von Kaugummi gesät ist, während direkt daneben der Mülleimer gähnt. Auch wenn der Zigarettenkonsum beständig sinkt, gleichen Verkehrskreuzungen einem Aschenbecher. Und so eine Wertstoff-Sammelstelle sieht sowieso aus wie Sau.

Der Reflex ist dann gerne, aufs Ordnungsamt zu schimpfen, das gefühlt nicht schnell genug hinterherkehrt. Manchmal liegt man da auch nicht ganz daneben, aber wo sind wir denn? Eigentlich ist es wie daheim, wenn es aussieht wie bei Hempels unterm Sofa. Hier macht doch Kleinvieh auch Mist. Wäsche landet nicht von alleine im Korb und Geschirr nicht von Geisterhand in der Maschine. Gibt es da auch jemanden, der hinterherräumen muss? Fehlverhalten kann man sich auch anerziehen.

Es könnte so schön sein am Goldbach oder an der Grillstelle, ist es aber manchmal nicht. Der Schrei der Empörung ist somit verständlich. Und trotzdem wäre es verkehrt, jetzt den Schluss zu ziehen: Soll den Dreck doch wegräumen, wer will, von mir ist er nicht. Im Gegenteil: Je mehr Menschen bei der Frühjahrsputzete mitmachen, sich anmelden, eine Putzaktion organisieren oder einfach so mal nicht nur den Kopf schüttelt, desto besser. Wer nicht mag, kann ja einfach seinen Dreck gewissenhaft wegräumen. Müll macht krank, Müll kostet Geld. Andersherum kann man aus Müll sogar richtige Energie machen, und dafür muss man bezahlen. Vielleicht geht ja jetzt einem das Licht auf.

juergen.wegner@szbz.de