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Am 24. Juni geht es los

Biennale in Sindelfingen: Höhepunkte und Geheimtipps

Kulturamtsleiter Markus Nau lüftet im SZ/BZ-Gespräch erste Vorhänge. Die Klosterseehalle wird zur Schwarzen Mühle, und die Premiere im Serenadenhof ist schon ausverkauft.

Sindelfingen. Die ganz große Nummer der Biennale in Sindelfingen wird sicherlich die Rock-Oper „Die schwarze Mühle“. Mit Otfried Preußlers Jugendbuch Krabat soll das Stück, das Ingo Sika, Oliver Palotai und Daniel Fix schrieben, nicht mehr viel gemein haben. Im Mittelpunkt steht statt der Liebe der Machtmissbrauch, dabei bleibt es schwarzmagisch.Symphonic und Gothic-Rock bekommen mittelalterliche Noten. Mehr als 100 Freiwillige sind daran beteiligt, die bislang größte Produktion der Jungen Bühne in die Klosterseehalle zu bringen. Am 24. Juni startet Sindelfingens Kulturfestival. Kulturamtsleiter und Projekt-Chef Markus Nau gewährt im SZ/BZ-Gespräch Eindrücke.

Warum heißt die Biennale eigentlich Biennale?

Markus Nau: „Biennale ist wie Olympiade. Es ist das Wort für einen Zeitraum. Biennale heißt, es findet etwas alle zwei Jahre statt.“

Hier geht es zur komplette Podcastfolge "Willi und Dödel" mit Markus Nau zur Biennale

Dieses Jahr gibt es die fünfte Auflage, die Biennale wird in Sindelfingen so langsam schon zur Tradition.

Markus Nau: „Es sieht jetzt auch nicht so aus, als ob das irgendwann stoppt. Wir haben schon die ersten Ideen für 2025, 27, 29, mal schauen.“

Generalstabsmäßig geplant

Vom 24. Juni bis zum 22. Juli gibt es ein riesiges Kulturangebot mit enormen Organisationsaufwand. Über wie viele Veranstaltungen sprechen wir?

Markus Nau Markus Nau: „Es sind definitiv über 100 Veranstaltungen. Das alles wird generalstabsmäßig geplant. Wobei die Vorarbeiten schon zwei Jahre im voraus laufen. Seit 2017 haben wir ein Kuratorium, also ein halbpolitisches Gremium, besetzt mit fachkundigen Einwohnern und Gemeinderäten, die die Programmgestaltung begleiten. Im Prinzip stelle ich hier ein Bündel an Veranstalten vor, über das dann diskutiert wird. Manchmal wird auch heftig diskutiert. Anschließend entsteht ein gewissen Ranking, und daraus entsteht das Programm.“

Das Biennale-Programm steht hier

Ist bei dieser Vielzahl auch etwas dabei, worauf Sie keine Lust haben?

Markus Nau: „Ehrlich gesagt, nein. Aber wir haben eine enorme Bandbreite, weil das Motto in diesem Jahr das vielfältige Sindelfingen ist. Wir versuchen, gesellschaftlich relevante Thermen anzusprechen: Kinder, Familien, Senioren, Religion, Frauen, Migration, von all dem wollen wir ein bisschen etwas abbilden. Logischerweise gibt es da das eine oder andere Thema, das mir nicht ganz am Herzen liegt.“

Von Ritter Rost erhoffe ich mir einiges

Beispiel Ritter Rost. Den schauen sich sicher Kinder an.

Markus Nau: „Familien. Ritter Rost ist als gezeichnete Geschichte sehr anspruchsvoll mit sensationellen Grafiken. Das ist nichts Billiges. Der Zeichner Jörg Hilbert, der ja auch schon für die Sindelfinger Zeitung gearbeitet hat, ist wirklich sehr gut. Das gilt auch für die Musik. Das Schauspiel stammt von der Schule für Musik, Theater und Tanz. Die Musik kommt nicht vom Band, da spielt live die STB-Bigband mit 18, 20 Musikern. Davon erhoffe ich mir einiges, da kommt Sound rüber.“

Das ist bei diesem Volumen sicher nicht einfach zu proben.

Markus Nau: „Ja, aber wir haben bei uns Profis dahinter. Die Anna-Lena Just und der Michael Schneider führen Regie. Anna-Lena Just hat Regie studiert und ist Musical-Darstellerin, Michi Schneider ist im Hauptjob in Füssen beim Musical. Bei der Bigband haben wir mit Magnus Mehl einen Landesjazzpreisträger als Dirigenten. Da weiß schon jeder, was er tut.“

Große Nummer, das ist aber noch lange nicht alles.

Markus Nau: „Meine Kollegin hat gesagt, ich soll auch mal die kleineren Formate lobend erwähnen. Wobei die alle gar nicht so klein sind.“

Zum Beispiel?

Markus Nau: „Das Theaterprojekt im Serenadenhof. Die Schaubühne ist eine Amateurtheaterbühne, die auf sehr hohem Niveau spielt und sich sehr niveauvolle Stücke raussucht. Zum 50-jährigen Bestehen spielt sie 'Viel Lärm um Nichts' von Shakespeare. Das ist eine sehr schöne Komödie. Das Zitat stammt nicht von mir, die Schaubühne schreibt, es sei das einzige Shakespeare-Drama, in dem es keinen Toten gibt. In dieser schnuckeligen Altstadt-Kulisse wird das einfach ein richtig, netter, unterhaltsamer Theaterabend.“

Sollte man sich sputen? In der Vergangenheit hatte sich vor allem bei den größeren Stücken gezeigt, dass auf dem Ticketmarkt erst nicht so viel ging, und dann war doch vieles ausverkauft und es brauchte eine Zusatzvorstellung.

Markus Nau: „So ähnlich ist es dieses Mal auch. Wir haben unseren Vorverkauf jetzt über Reservix organisiert und können täglich reinschauen, wie es steht.“

Eine Premiere ist schon ausverkauft

Und, wie steht es?

Markus Nau: „Zum Beispiel bei 'Viel Lärm um Nichts' ist die Premiere ausverkauft. Allerdings gehen in den Serenadenhof auch ziemlich genau 100 Leute rein. Die Klosterseehalle mit 350 voll zu machen, ist wieder etwas anderes.

Wie wäre es mit einem Geheimtipp, den man vielleicht nicht auf der Rechnung hat?

Markus Nau: „Ich glaube, ein ganz überraschendes Programm dürfte sein, was wir mit dem Kammerchor in der Moschee machen. Im Prinzip ist das ein klassisches Chorkonzert von rund 45 Minute Länge. Immer, wenn wir etwas Europäisch-Abendländ-Taditionelles gesungen haben, folgen gesungene Koran-Rezitationen des Religionsbeauftragen der Ulu-Moschee. Das kann man am ehesten vergleichen mit gregorianischem Choral aus unserem Kulturkreis, wobei die Klanglichkeit völlig anders ist. Ich bin sehr gespannt wie das live wird in einem Raum, in den fast 2000 Leute reinpassen.“

"Man muss auch kein Kopftuch tragen."

Darf man da auch als Frau hin?

Markus Nau: „Ja, man muss auch kein Kopftuch tragen. Das einzige, was man definitiv tun muss, ist beim Eintritt in den Gebetssaal die Schuhe auszuziehen.

Das hört sich gut an. Gibt es sogar noch etwas Besseres?

Markus Nau: „Vielleicht das interreligiöse Konzert in der Stadthalle von Daniel Tepper. Das wird eine modern angehauchte Friedensmesse. Musikalisch geht das in Richtung Musical. Da tritt dann auch ein Iman auf und rezitiert eine Psalm. Es geht dabei um den globalen Frieden.“

"Sie hat mich noch nie enttäuscht.“

Es geht um Vielfalt, Theater, Konzert – und auch Tanz.

Markus Nau: „Tanz haben wir einen ganz tollen in der SMTT. Der Tanzsaal der Schule wird komplett umgebaut in eine Blackbox mit 70 Zuschauerplätzen. Bei diesem Projekt mit dem Titel 'Wahnsinnig weiblich' geht es komplett um Frauen. Die Musik wird klasse, es gibt Livemusik von Marie Louise, Igor Petrov-Schell und Zura Dzagnidze. Und ich schätze einfach die Monika Heber-Knobloch sehr. Sie ist eine tolle Tanzpädagogin mit tollen Ideen für die Choreografie. Sie hat mich noch nie enttäuscht.“

Genau genommen läuft die Biennale ja schon.

Markus Nau: „ Wir haben immer einen kleinen Vorbrenner. Man kann ja nicht alles in vier Wochen packen, und die Ausstellung „Sindelfingens Weg in die Moderne“ ist so ein großes Projekt, das musst du länger als vier Wochen zeigen. Zu sehen ist das bis zum 26. November in 15 verschiedenen Standorten in ganz Sindelfingen mit Stelen und QR-Codes. Und an der Schule für Musik, Theater und Tanz in der Wohlboldstraße gibt es sogar Soundstelen..“