

Natürlich darf man am Lack kratzen. Für Journalisten ist das sogar eine Kernaufgabe. Aber was das ZDF am Montag fabrizierte, war kaum zu ertragen. Während die Beckenbauer-Doku im Ersten längst geplant war und zufällig auf den Tag fiel, an dem dessen Tod bekannt wurde, fabrizierten die Kollegen in Mainz ein Eigentor, wie es schlimmer kaum sein kann.
Im Zentrum der Dreiviertelstunde um Beckenbauers Lebenswerk wiederholte sich quälend oft und immer wieder dessen Rolle im Sommermärchen-Sumpf von 2006. Experten reiben die Gebetsmühle und bemühen dazu auch noch vermeintliche „politische Schutzengel“ als schon frühe Wegbegleiter auf „illegalen Wegen“. In Überblenden mischt sich dramatische Musik.
Aufgeklärt ist bis heute wenig bis nichts, und trotzdem spielen Vorwürfe und Anschuldigungen Hauptrollen im Stück über einen Mann, dessen Leben so unendlich viel zu erzählen hat. Das Maß stimmt nicht. Von wegen, mit dem Zweiten sieht man besser. Der Reflex, einen Makel zu suchen und sich daran abzuarbeiten, ist nicht neu. Gefühlt passiert das immer öfter, und das ist fürchterlich.



